Herbert Schmid erzählt an Ostern 2026
Herbert und Hilde Schmid (geb. Schlotter) gehören zu denjenigen Personen in meinem Heimatdorf Bergfelden, zu denen der Kontakt seit meiner frühen Kindheit bis heute Bestand hat. Hilde war meine "Kindsmagd", wie man damals zu sagen pflegte, und ging bei uns im Haus aus und ein. Meine Mutter mit vier kleinen Kindern und zahlreichen Aufgaben als Pfarrfrau brauchte Unterstützung bzw. war sie oft gar nicht zuhause und wir mussten beaufsichtigt und beschäftigt werden. Hilde war bei der Anfrage meiner Mutter nach Unterstützung noch sehr jung und sie traute sich die Aufgabe nicht zu. So wurde aus Hilde eine "Hilde-Marga". Marga war etwas älter und war bereit, zusammen mit Hilde sich mit uns auseinander zu setzen. Damals wußten wir noch nicht, dass sie später Herbert Schmid heiraten würde, ein Mitglied des ersten Posaunenchors in Bergfelden. - Uns allen bis heute in Erinnerung geblieben ist die Stuttgarter Diakonisse Sr. Anna Wüst. Sr. Anna war der gute Geist des Dorfes und zog täglich ihre Runden durch das Dorf. Sie hatte im Obergeschoss des Rathauses ihre Dienstwohnung. Hier wurde auch die hausärztliche Sprechstunde abgehalten. Dr. Brillinger aus Sulz am Neckar, ein niedergelassener Hausarzt, kam einmal pro Woche nach Bergfelden und versorgte das ganze Dorf in dieser einen Sprechstunde mit ärztlichem Wissen. Er kam, für die damalige Zeit durchaus noch ungewöhnlich, in einem VW Käfer angefahren und wir Kinder winkten ihm zu. Alle kannten sein Auto. Noch heute gibt es die Hausarztpraxis Dr. med. Brillinger in Sulz a. N., allerdings ist es inzwischen schon die dritte Generation, die diese Praxis betreibt. Sr. Anna war eine Institution als Gemeindeschwester. Die Sprechstunde fand in der Küche der Schwesternwohnung statt. Gewartet wurde im Flur oder aber man saß auf den Treppenstufen. Sr. Anna wußte von jedem, der da kam, was das jeweilige Leiden war. Mit dem Datenschutz verhielt es sich damals noch etwas anders als heute. Die Leute in Bergfelden freuten sich immer, wenn sie zum Hausbesuch kam und bei der Pflege von Kranken unterstützte. Sie war auch die Verbindung zum Pfarrhaus. Traumhaft schön war ihr Blumengarten, den sie zwischen den beiden Wehrmauern der Ev. Remigiuskirche, einer Wehrkirche, angelegt hatte. Ein länglicher Steinbrunnen in der Mitte plätscherte vor sich hin, es gab ein Bänkchen zum Sitzen und Ausruhen und es irgendwie alles ein einziges Blumenmeer. Dazu sehr still. Irgendwie ein Klostergarten. Die Blumen fanden auch Verwendung beim Schmücken der Kirche, das zu ihren Aufgaben gehörte. Sr. Anna war in das gesamte Gemeindeleben integriert. Sie drehte ihre Runden im "Flecken", hielt ein Schwätzchen auch mit den Gesunden und nicht nur mit den Kranken. Kleine und große Wehwehchen, sie war für alles zuständig. Sr. Anna brachte den Kindern in der Volksschule das Zähneputzen bei, sie assistierte Dr. Brillinger bei Impfungen, sie hielt Kinderkirche und ihr war es auch zu verdanken, dass so manche alleinstehenden Leute weiterhin zuhause wohnen konnten, obwohl sie bereits einiges an Unterstützung brauchten, aber noch nicht in ein Pflegeheim gehen wollten. Nachdem Sr. Anna in Rente ging, wurde die Stelle nicht mehr besetzt. Es gab nicht mehr viele Diakonissen. Ein Verlust für das Dorf. Nach und nach gab es aber mehr Ärzte und Dr. Brillinger musste nicht mehr die ganze Region alleine versorgen. Die Dorfbewohner gingen jetzt auch nach Sulz zum Arbeiten. Sie fuhren im Bus morgens in diese kleine Stadt und kehrten abends mit dem Bus wieder nach Bergfelden zurück.