Pflegegeschichte
MITARBEIT ALS AUTORIN IM "Biographischen Lexikon zur Pflegegeschichte "Who was who in nursing history" (Herausgeber Hubert Kolling) GESCHRIEBEN 2. FEBRUAR 2026
Seit seinem Band sechs (2012) bin ich Autorin im "Biographischen Lexikon zur Pflegegeschichte", das inzwischen von Dr. Hubert Kolling herausgegeben wird. Begonnen hat alles mit einer Biographie zu Antje Grauhan. Inzwischen sind etliche weitere Biographien dazu gekommen. Hier eine Auswahl: Louise Conring, Lyle Creelman, Eva von Gadow, Dorothea Kaupp, Dorothy Johnson, Lina Farr, Ricardo Finocchieto, Heidi Friedl, Veronica Güttlerin, Anna Hintz, Imogene King, Henriette Kjaer, Madeleine Leininger, Myra Levine, Lucille Pringle, Ilse Schulz, Grayce Sills, Sveinsdottir Thorbjörg, Joyce Travelbee, Chen Tsui-Yu, Inge Weissgerber, Ernestine Wiedenbach, Mette Sophie Zahrtmann. Besonders fasziniert hat mich das Leben der Diakonisse Linda Farr in Bessarabien. In den ersten Bänden des Lexikons (Herausgeber der verstorbene Horst-Peter Wolff) arbeitete Karin Wittneben noch als Autorin mit. Wittneben war als Pflegewissenschaftlerin auch eine begnadete und fleißige Pflegehistorikerin. Ihre Biografien in Band eins konnte ich einer Analyse unterziehen und diese in Band II des Pflegedidaktik Handbuchs (Roland Brühe und Wolfgang von Gahlen-Hoops als Herausgeber) publizieren. Inzwischen werden die ersten Biografien auch zitiert. Immer mal wieder stolpere ich in einer Publikation über eine entsprechende Zitation. Also sind die Mühen, die vor allem der Herausgeber auf sich nimmt, nicht ganz vergeblich, wenngleich man schon enttäuscht sein muss über die magere Resonanz einer Berufsgruppe, die sich immer als vernachlässigt versteht. Diese Berufsgruppe vernachlässigt sich eben auch selbst. Etliche lateinamerikanische Biografien habe ich aus dem Portugiesischen und Spanischen übersetzt. Dazu kam es über die brasilianische Pflegehistorikerin Taka Oguisso aus Sao Paulo, die ich beim Nightingale Kongress 2010 in London kennen gelernt habe. Auch mit Taiwan entstand eine Zusammenarbeit. Chou Chuan Chiang Yao habe ich ebenfalls 2010 in London erstmalig getroffen. Jüngste Verbindungen nach Island zu Marga Thome haben dazu beigetragen, dass auch zwei isländische Biografien geschrieben und veröffentlicht werden konnten. Marga Thome kam ursprünglich von der Schwesternschule der Universität Heidelberg und wurde erste Pflegeprofessorin an der Universität der isländischen Hauptstadt Reykjavik.- Es wird immer schwieriger, das Lexikon herausgeben zu können. Die Nachfrage ist (zu) gering. So bleibt zu hoffen, dass auch ein Band zwölf wird erscheinen können. Beisteuern möchte ich hier die Biografie zur dänischen Krankenschwester Ellen Christensen, die im 2. Weltkrieg etlichen Juden zur Flucht über den Öresund nach Schweden verhalf.
Léonie Chaptal (1873-1937): Französische Präsidentin des International Council of Nurses von 1929 bis 1933 - eine unvollendete Biografie. Geschrieben am 17. Juni 2025
Ein Blick in die WIKIPEDIA Liste der ICN Präsidentinnen seit Anbeginn 1899 zeigte, zumindest in der deutschsprachigen WIKIPEDIA, Neuland, bzw. in WIKIPEDIA Sprache ausgedruckt: jede Menge Rotlinks, d.h. nicht geschriebene Artikel. Das kann so natürlich irgendwie nicht angehen, geht es doch immerhin um durchaus maßgebliche Gestalterinnen von Pflege, Pflegepolitik und Pflegewissenschaft seit über 100 Jahren. (Übrigens wurde der erste Mann in dieser Position vor wenigen Tagen, am 13. Juni 2025, beim ICN Kongress in Helsinki gewählt. Es handelt sich um den Spanier José Luis Cobos Serrano).
Also begann ich Abhilfe zu schaffen, erstellte mehrere Biografien in chronologischer Reihenfolge und entdeckte dabei durchaus Interessantes. So wollte beispielsweise die ICN Präsidentin Susan McGahey schon zwischen 1904 und 1909 die Pflegeausbildung in Australien von drei auf vier Jahre anheben. Nachdem man in Deutschland über eine Anhebung der hochschulischen Pflegebildung (primärqualifizierender Studiengang) erst seit wenigen Jahren überhaupt spricht, war uns diese ICN Präsidentin im fernen Australien um über hundert Jahre voraus. Erstaunlich auch, dass ihr zwar an ihrem Stammkrankenhaus in Sydney derlei Pläne verboten wurden und sie deshalb, mehr oder weniger freiwillig, dieses Krankenhaus verliess, aber ein Privatkrankenhaus in Sydney ermöglichte dann doch die Umsetzung einer vierjährigen Ausbildung (respective Studium).
Meine Biografie Léonie Chaptal, einer französischen ICN Präsidentin, wurde zu meiner Überraschung auf der WIKIPEDIA Hauptseite am 1. Juni 2025 (Kategorie: schon gewußt) verewigt. Das hat mich ja nun ausgesprochen gefreut, dass eine Pflegeperson dies geschafft hat. Durch das Bekanntmachen über die Hauptseite haben etliche weitere AutorInnen den Artikel noch optimiert, so gut dies möglich war. Die Qellenlage zu Léonie Chaptal ist dünn. Dies mag daran liegen, dass französischsprachige Artikel weniger häufig digitalisiert werden als englischsprachige Artikel und die deutschsprachige pflegehistorische Forschung wiederum sich eher mit der deutschsprachigen Pflegegeschichte beschäftigt, aber dies kann keine dauerhafte Entschuldigung darstellen. Nur, woher Forschungsgelder nehmen für ein Projekt Léonie Chaptal in französischen Archiven? Das ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Vermutlich würde nicht einmal die Robert Bosch Stiftung einem solchen Vorhaben zustimmen. Allerdings ist der Bruder Chaptals, ein röm.-katholischer Priester, deutlich besser erforscht als seine Schwester. Dies spräche dafür, es doch versuchen zu wollen. Léonie Chaptal hat sich, um ihre Biografie auf einen kurzen Nenner zu bringen, sehr um die Tuberkulosebekämpfung verdient gemacht. Ihre Mutter war Jüdin, der Vater war Katholik. Wann die Mutter zum Katholizismus konvertierte, ist unbekannt. Deshalb ist auch die Religionszugehörigkeit Chaptals schlussendlich nicht wirklich bekannt (irgendwann war sie Katholikin). Sie wird in der Literatur auch manchmal beschrieben als Philanthropin, die sie vielleicht gerade wegen der fraglichen Zuordnung zu einer bestimmten Religion, denn auch geworden ist.
ANNA MAXWELL (1851-1929): Die US-AMERIKANISCHE FLORENCE NIGHTINGALE - KÖNNEN WIR VON IHR NOCH ETWAS LERNEN? GESCHRIEBEN AM 18. April 2025
Bis heute ist Florence Nightingale unangefochten die "Nummer Eins" in der Pflegegeschichte, die "Grande-Dame", die alles überschattet und beherrscht. Die mit ihrem "Nightingale Style of Nursing" ein weltweites Imperium geschaffen hat. Der Nightingale Style als Maß aller Dinge. Nur allzu schnell sind diejenigen, die man umgangssprachlich als die "Post-Nightingales" bezeichnet, in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht, wie mir scheint. Lycille Pringle gehört zu den Post-Nightingales, sie ist so gut wie unbekannt geblieben. Anna Maxwell gehört zu den Post-Nightingales und auch sie gilt es aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. So aktuell geschehen mit einem deutschsprachigen Eintrag in der WIKIPEDIA, der überfällig war. Aber noch gibt es diesen Eintrag lediglich in englischer Sprache. Dabei gilt Anna Maxwell eigentlich als die "Nightingale der USA". - Bei der Durchsicht ihrer Vorträge und Schriften fiel mir so manche Parallele zum heutigen Geschehen in der Pflege auf. Wir warten hierzulande ja auf das Pflegekompetenzstärkungsgesetz, das vermutlich zeitverzögert, aufgrund eines unvorhergesehenen Regierungswechsels, an den Start gehen wird. Dies vermutlich noch im Jahr 2025.
Wir schlafen heute nicht mehr, wie zu Anna Maxwells Zeiten, in Betten, auf denen morgens der Schnee liegt (so beschrieben in ihrem Vortrag 1920 vor der New York State Nurses' Association) und wir müssen auch nicht mehr über den Kellerausgang das Krankenhaus betreten und verlassen. Wir schlafen auch nicht mehr in kleinen Zimmern zwischen zwei Stationen, die tagsüber als Dienstzimmer dienen und nachts als Ruhe- und Schlafraum, damit man sofort hört, wenn ein Patient oder eine Patientin schreit. Das klingt unkomfortabel, aber das Leben war früher für die meisten Menschen unkomfortabel, wenn man es mit heute vergleicht. Nicht nur für das Pflegepersonal.
Aber dass Pflege eine "niedrige Tätigkeit" ist, wie Maxwell beschreibt, das ist uns irgendwie ja nun doch erhalten geblieben. Dass man die ÄrztInnenschaft, die Krankenhausverwaltung und vor allem die Öffentlichkeit davon überzeugen muss, dass, im Nightingale'schen Sinne ausgebildete Krankenschwestern, eine Bereicherung für die Gesunderhaltung der Bevölkerung darstellen, ist uns ebenfalls erhalten geblieben. Aktuell erscheint mir vor allem bei der Bevölkerung viel Überzeugungsarbeit notwendig zu sein, wenn es bald darum gehen sollte, das Pflegekompetenzstärkungsgesetz Realität werden zu lassen. Maxwell und ihre Mitstreiterinnen haben in den USA diese Mühen auf sich genommen und wie man heute sieht, durchaus mit Erfolg. Die Pflege in den USA hat sich seit Maxwell beachtlich entwickelt und es ist gelungen, gute Leute an Land zu ziehen.
Wenn man sich heute die dürftige Qualität der dreijährigen Ausbildung in Deutschland anschaut, so mag man deutliche Zweifel daran haben, ob es wirklich gelingen wird, hierzulande in Zukunft Leute auszubilden bzw. einem Pflegestudium zuzuführen, die hinterher auch in der Lage sein werden, den Anforderungen des Pflegekompetenzstärkungsgesetzes gerecht zu werden. Schließlich kann es nicht darum gehen, die Versorgung der Bevölkerung zu verschlechtern. Dies darf nicht passieren.
Maxwell hat es geschafft. Die Einführung des Nightingale Style führte in den USA dazu, dass der Pflegeberuf attraktiver wurde und aus der Sogwirkung "niedrige Arbeit" entlassen werden konnte. So bleibt uns in Deutschland, im Sinne von Ernst Bloch, das Prinzip Hoffnung, dass uns eine ähnliche Entwicklung beschert sein möge.
Pflegehistorikerin Dr. Chou Chuan Chiang Yao (Taiwan) geschrieben 18. Januar 2025
Kennen gelernt habe ich sie beim Florence Nightingale Kongress 2010 in London. Wir waren dort derselben Gruppe zugeteilt und hörten gegenseitig unsere Vorträge an. Frau Yao hatte eine Studentin mit dabei und die Beiden berichteten über traditionelle taiwanesische Medizin und Pflege, deren Verdrängung durch die europäische Schulmedizin, aber auch über die großen Vorteile für die Bevölkerung durch eben die europäische Schulmedizin.
Chou Chuan Chiang besuchte uns danach mehrfach in Heidelberg und gestaltete einmal den Institutsabend am Diakoniewissenschaftlichen Institut der Ruperto Carola, wo sie über die Entstehung des taiwanesischen Pflegesystems durch europäische Missionare berichtete. Auch Patrick Jahn an der Martin Luther Universität in Halle (Saale) lud Frau Yao zu einem digitalen Vortrag zu dieser Thematik ein. Zwei ihrer Biografien zieren das Biographische Lexikon zur Pflegegeschichte, das Hubert Kolling herausgibt und das nun auch über Pflegekräfte aus China und Taiwan berichten kann.
Leider steht mein Gegenbesuch immer noch aus. Corona kam dazwischen. Ich bin wohl in taiwanesischer Pflegeliteratur häufiger zitiert als hierzulande in der deutschsprachigen Pflegeliteratur, für die ich nicht konform genug schreibe.
Besonderes Interesse zeigte Frau Yao an der Schwesternschule der Universität Heidelberg und dem dort früh gelehrten "Nightingale Style of Nursing".
Auf weitere Besuche, in Begleitung ihres Ehemannes, der sich für die hiesige Energiewende interessiert, hoffe und freue ich mich.
Heidelberg Hauptstraße 2012
Heidelberg Schloß 2012
Heidelberg ehemalige Schwesternschule der Universität (Hollyschule) 2014
Heidelberg Bierhälder Hof 2012
Ehemaliges aus der Pflegegeschichte 21. Dezember 2024
Historisch interessiert war ich schon als Jugendliche. Vielleicht bedingt durch die vielen alten Geschichten der Bibel, die zuhause erzählt wurden. Es gab dann auch tatsächlich den Berufswunsch, Alttestamentlerin zu werden. Aber der Weg zu einem solchen Ziel schien mir denn doch (zu) lange zu sein. Die spätere Arbeitsstelle auch nicht unbedingt gesichert. Und während meines Theologiestudiums in Tübingen promovierte damals kaum jemand, bzw. wenn jemand, dann war es eigentlich ein männlicher Mitstudierender. Altehrwürdige Fakultäten, und eine solche war die Tübinger Ev. Theologische Fakultät, machten einer Frau hier nicht unbedingt den Schritt leicht.
- 1990 lernte ich bei einer Veranstaltung der Schwesternschule der Universität Heidelberg die Frankfurter Pflegewissenschaftlerin Hilde Steppe kennen. Eine sehr umtriebige und charmante Person. In diesem Jahr wurde der "Deutsche Verein für Pflegewissenschaft" (heute: Gesellschaft) aus der Taufe gehoben und Hilde Steppe schritt sofort zur Tat und gründete eine erste Sektion dieses Vereins, die "Sektion Historische Pflegeforschung". Auf der Heidelberger Veranstaltung warb Hilde für diese Sektion. Es war eine Aufbruchstimmung, an die ich heute manchmal gerne, manchmal ungerne denke. Gerne, weil wir Träume hatten, ungerne, weil mir und uns nicht klar war, dass diese Träume so schnell nicht in Erfüllung gehen und wir deshalb auch enttäuscht werden würden. Wir träumten von der Akademisierung der Pflege, vom Aufbau einer Pflegewissenschaft, in der die historische Pflegeforschung einen ähnlichen Stellenwert haben sollte wie die Medizingeschichte an einer Medizinischen Fakultät. Wir gingen davon aus, dass innerhalb eines oder höchstens zwei Jahrzehnten jede größere Universität in Deutschland einen Lehrstuhl für Geschichte der Pflege haben würde.
- Historisch interessiert wie ich war, beschloss ich deshalb, mich auf den entsprechenden Weg zu machen, um irgendwann dann doch zu merken, dass die Träume von damals vielleicht besser in den Hintergrund gerückt werden sollten. Gerade noch rechtzeitig habe ich den Absprung in die Pädagogik und Pflegepädagogik geschafft; so sehe ich es heute.
Deshalb beschäftige ich mich inzwischen nur noch randständig mit der Pflegegeschichte. Das Interesse daran ist zurück gegangen, (zu) viele Wiederholungen und auch (zu) viel Lapidares. Eine eigentlich enttäuschende wissenschaftliche Entwicklung .....
In der Zeit aber, in der ich mich mit der Geschichte der Pflege befasste, galt mein Interesse der Geschichte der Schwesternschule der Universität Heidelberg (USH) und hier vor allem der Pflegelehrerin und Schulleitung Antje Grauhan. Ich war mehrfach zu Besuchen bei Frau Grauhan, die inzwischen in Lübeck-Travemünde lebte, und habe mir von ihr alles über die Schwesternschule erzählen lassen. Nachdem eine Publikation zu Antje Grauhan im Eigenverlag schiergar niemanden interessierte, gelang es mir über WIKIPEDIA, Frau Grauhan noch ein wenig bekannt zu machen. Zwangsläufig stösst man bei Forschungen zu Antje Grauhan auf die erste Schulleitung der USH, Olga Freiin von Lersner, und auf deren Nichte, die Fuldaer Pflegewissenschaftlerin Christa Winter-von Lersner. Christa Winter-von Lersner verdanke ich weitere wichtige Informationen zur USH. Ein Wegbegleiter aus der Sektion Historische Pflegeforschung wurde Reinald Schmidt-Richter, der an der USH arbeitete. Es gelang dann schließlich sogar, eine "Fachgruppe Schwesternschule der Universität Heidelberg" im Kontext des Alumninetzwerks der Ruperto Carola ins Leben zu rufen, die bis heute existiert. Es gelang Herrn Schmidt-Richter, die stellvertretende Leitung des Universitätsarchivs Heidelberg (UAH), Frau Sabrina Zinke, davon zu überzeugen, die Korrespondenz der USH im UAH unterzubringen. Ehrenamtlich arbeitete ich diese Korrespondenz, die in 48 Kartons verpackt worden war, durch und stellte die Inhalte für spätere Recherchen zusammen. So kann heute mit dieser Korrespondenz gearbeitet werden, was so gut wie überhaupt nicht der Fall ist. Die Berufsgruppe der Pflegenden, der Pflegestudierenden, zeichnet sich leider durch geringes historisches Interesse aus.
Im "Biographischen Lexikon zur Pflegegeschichte" mit Hubert Kolling als Herausgeber habe ich meine erste Biografie zu Antje Grauhan verfasst (Band fünf) seitdem folgten weitere Biografien und weitere WIKIPEDIA Einträge.
Eine besondere Ehre war es für mich, in der "Hilde Steppe Dokumentationsstelle" der Hochschulbibliothek University of Applied Science in Frankfurt die Gründungsphase des Deutschen Vereins für Pflegewissenschaft (DVP/später DGP) durcharbeiten zu dürfen. Es gab dafür sogar Forschungsgelder der DGP. Die Osnabrücker Pflegewissenschaftlerin Ruth Schröck brachte anlässlich ihres Umzugs nach Edinburgh zwei Leitz-Ordner mit den Unterlagen der Gründungszeit in die Hilde Steppe Dokumentationsstelle, die mir zur Bearbeitung überlassen wurden. Supervidiert wurde ich von Eva-Maria Ulmer, einer Weggefährtin von Hilde Steppe.
Wenn ich mich heute mit der Pflegewissenschaftlerin Karin Wittneben befasse, dann tue ich das aus pädagogischem Interesse. Aber es ist natürlich auch ein Stück Geschichte mit dabei. Karin Wittneben hat die USH durchlaufen und hat dort ihre Abschlussarbeit ("Unterrichtsschwester") zur Patientenorientierung geschrieben. Erstes akademisches Werk von Karin Wittneben aus dem Jahr 1971.
Nightingale Kongress London 23. Dezember 2024
International Perspectives in the History of Nursing Conference,14.-16. September 2010,
Royal Holloway, University of London
Es war eigentlich die Idee von Marianne Arndt gewesen (heute: Sr. Maria Benedicta Arndt), Mitglied 001 der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft und erste habilitierte Krankenschwester in Deutschland, dass ich nach London fahren solle, damit die Heidelberger Pflegegeschichte dort vertreten sei. Begleitet wurde ich von "meiner" Darmstädter Studierenden, Monika Greening, die heute eine Professur für Pflegewissenschaft innehat. Sie unterstützte mich schon beim Probelesen des Vortrags in Deutschland und dann erneut beim Vortrag in London. Zu Zweit geht es einfach besser.
Die größten Herausforderungen jener Tage dürften der Linksverkehr in England und meine in die Jahre gekommenen Englischkenntnisse gewesen sein.
Thema meines Vortrags, wie könnte es anders sein, waren Antje Grauhan und die Heidelberger anthropologische Schule von Medizin und Pflege. Im Jahr 2010 hatte ich hier nun doch schon einiges dazu gearbeitet und hatte Frau Grauhan mehrfach besucht gehabt. 2010 war ja dann auch das Todesjahr von Antje Grauhan, die wenige Wochen vor dem Kongress verstarb.
In der Gruppe, in der ich meinen Vortrag halten durfte, waren auch eine brasilianische und eine taiwanesische Pflegehistorikerin, Prof. Dr. Chou Chuang Yao (TW) und Prof. Dr. Taka Oguisso (BRA). Zu beiden Frauen pflege ich bis heute freundschaftliche Kontakte. Prof. Yao hat mich mehrfach in Heidelberg besucht. Das "Biographische Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in nursing history" (Hrsg. Hubert Kolling) profitierte in den Folgejahren durchaus auch von diesen Kontakten. Etliche Biografien aus Taiwan und Lateinamerika konnten Aufnahme finden und mit viel lexikalischer Arbeit gelang mir auch jeweils die zeitraubende Übersetzung aus dem Englischen.
Befremdlich für Frau Greening und mich waren der Wohltätigkeitsbasar, der am zweiten Abend des Kongresses stattfand. Wir hatten zuvor gegessen, saßen gemütlich miteinander am Tisch und haben uns unterhalten. Dies sicherlich nicht besonders laut, aber wohl doch laut genug, um von einer der US-Nurses gerügt zu werden. Sie kam an unseren Tisch mit strengem Gesicht. Wir möchten bitte sofort schweigen. Das hat uns nicht gerade erfreut und so war der Abend denn eigentlich auch ein bißchen langweilig.
Eine wertvolle Erinnerung ist dieser Kongress eigentlich bis heute geblieben. Antje Grauhan, die fast vergessene, wurde in London gehört. Kontakte nach Taiwan und Lateinamerika bereichern bis heute mein pflegehistorisches Leben.